(Bio)gasheizung – Eine Klarstellung

Was soll eine Gasheizung im neuen Vereinshaus der Gemeinde, wenn im benachbarten Bauhof eine Hackschnitzelanlage vorhanden ist? Das fragen wir uns auch. Aber, der Reihe nach.

Der urspüngliche Plan

Die Gemeinde Hafnerbach errichtet zur Zeit ein neues Vereinshaus, in dem Sportvereine und Blasmusik ihr neues Zuhause finden sollen. Das Gebäude soll laut ursprünglichem Plan des beauftragten technischen Büros mit Nahwärme vom direkt daneben gelegenen Bauhof der Gemeinde versorgt werden. Dort steht ein ca. 17 Jahre alter Hackschnitzelkessel. Da das Warmwasser vor allem in der wärmeren Jahreszeit im Sportbetrieb benötigt wird, ist eine solare Warmwasseranlage angedacht.

Die Planänderung

Durch Kostendruck nach der ersten Planung beschließt die Gemeindeleitung, das erneuerbare Heizsystem durch eine Gasheizung zu ersetzen, das sei billiger in Anschaffung und Betrieb, da für die Nahwärmelösung keine Förderung möglich sei und die solare Warmwasserbereitung nur unwesentlich gefördert würde. Auf dieser Basis beschließt der Gemeinderat die Planänderungen. Das trifft bei vielen BürgerInnen auf Unverständnis. Die Energiegruppe wurde bis zu diesem Zeitpunkt nicht eingebunden und bittet daraufhin um ein Gespräch beim Bürgermeister. Ein kurzes Gespräch findet auch statt, weitere erbetene Infos werden aber nicht mehr erteilt, der Gemeinderatsbeschluss sei zu akzeptieren, es würden keine weiteren Informationen mehr erteilt.

Im Vorstand der Energiegruppe regt sich Unmut – auch weil nach Recherche schnell klar wird, dass es sehr wohl Förderungen für die Nahwärmelösung gegeben hätte, und zwar reichlich*. Damit könnte die in die Jahre gekommene Anlage im Bauhof auch gleich getauscht werden und eine wohl sehr kostengünstige Lösung für beide Gebäude getroffen werden. (Die Nahwärmegenossenschaft im benachbarten St.Margarethen tauscht übrigens aufgrund der Gelegenheit der fast 50%igen Förderung gerade ihren 15 Jahre alten Hackgutkessel.)


„Wie kommt man nur auf die Idee, im Sommer Gas aus Sibirien zu verheizen, wenn eine PV-Anlage am Dach ist und eine Hackschnitzelheizung nebenbei?!“ (Meinungen aus der Bevölkerung an die Energiegruppe)


Etliche Zahlen, die vom Bürgermeister im Informationsgespräch genannt wurden, können bei unserer Recherche nicht nachvollzogen werden. Zur letzten Sicherheit fehlt aber der Zugang zur genauen Informationen – der allerdings auch auf erneute Nachfrage beim Bürgermeister verweigert wird.

100% „Bio“gas

Kurz darauf gibt es die Mitteilung seitens des Bürgermeisters, einen 100% Biogas-Tarif zu bestellen, zertifiziert von der EVN. Leider ist die Welt damit nicht in Ordnung. Details im Infoartikel zu Biogas. Zusammengefasst ist Biogas nur sehr begrenzt verfügbar und für das einfache Verbrennen zur Beheizung eines Gebäudes ist Biogas viel zu kostbar, außer wenn es gar keine erneuerbaren Alternativen gibt. Die gibt es im vorliegenden Fall aber ganz eindeutig:

  • Bestehende Hackschnitzelanlage nebenan, Leitung ca. 120m, nur über Gemeindegrund, Kesseltausch sehr gut förderbar, Leitungsbau förderbar.
  • Beheizung selbst ohne Kesseltausch großteils möglich, Spitzenlastabdeckung für kurzfristigen Betrieb und schnelle Wärme z.B. über Infrarotpanele bis der Kessel ohnehin getauscht werden muss.
  • PV-Anlage am Dach, die in wenigen Jahren aus der Tarifförderung fällt, d.h. sehr billigen Strom produziert, der in einer Wärmepumpe genutzt werden könnte.
    Solare Wärmenutzung für Warmwasser

Die Energiegruppe beschließt daher, den Gemeinderat zu informieren, dass der gefasste Beschluss wahrscheinlich auf unvollständigen oder inkorrekten Tatsachen beruht und bittet um erneute Behandlung. Kurz darauf antwortet der Bürgermeister, dass der Gemeinderat den Beschluss nochmals bekräftigt hat, die Entscheidung sei als endgültig zu akzeptieren, ein von den meisten Gemeinderäten unterzeichnetes Schreiben wird übermittelt, in dem die Gründe für den Beschluss nochmals genannt werden: „Die nicht vertretbaren hohen Investitionskosten“ und „der vom Experten angestellte Betriebskostenvergleich“.


„Überall wird der Ausstieg aus den Fossilen gefördert und wir bauen in ein neues öffentliches Gebäude eine Gasheizung ein. Unverständlich!“ (Meinungen aus der Bevölkerung an die Energiegruppe)


Alles klar?!

Angesichts dieser scheinbaren Klarheit fragen sich große Teile der Energiegruppe erneut: Wenn die Sachlage so klar ist, warum dürfen wir dann die Investitionskosten nicht einsehen, warum erhalten wir keinen Zugang zu dem Betriebskostenvergleich? Wurde der teurere „zertifizierte Biogastarif“ in den Kostenvergleich aufgenommen? Wird hier ein neuer Kessel im Bauhof zu 100% dem neuen Gebäude zugerechnet? Wäre der Leitungsbau tatsächlich so teuer, wenn doch nun ohnehin Grabungsarbeiten stattfinden?
Alle Informationen, die die Energiegruppe bei ihren Recherchen und Gesprächen mit der eNu, dem Land NÖ, Förderinstitutionen oder anderen Personen erfahren hat, deuten darauf hin, dass die angestrebte Lösung nicht optimal ist – weder was die Kosten, noch was die Ökologie angeht.

Kurz darauf erscheint ein Artikel auf der Gemeindehomepage, der andeutet, dass die Energiegruppe Biogas zunächst befürwortet hätte und nun eine Kehrtwende vollführen würde.
Deshalb möchten wir in aller Deutlichkeit klarstellen:

  1. Wir sehen in der geplanten Gasheizung eine rückschrittliche Lösung in der fast 100% fossiles Gas verbrannt wird, auch im Hochsommer.

  2. „100% Biogas“-Zertifikate haben keinen mit Ökostrom vergleichbaren Anreizeffekt auf den Gasmarkt. Wer 100% Biogas bekommt und wer fossiles Gas, wird nur dadurch bestimmt, wer sich zuerst zum Aufpreis die vorhandenen Zertifikate sichert. Neue Biogasanlagen werden dadurch kaum gebaut werden.

  3. Die geplante Gasheizung ignoriert die regionale Wertschöpfung: Statt regionaler Sonne und Restholz wird auf Erdgas aus der Ferne gesetzt.

  4. Die geplante Gas-Wärme verursacht jährlich 9.230 kg CO2, soviel wie 72.100 km Autofahrt. Deutlich mehr als HUBSI und ein Elektro-Gemeindeauto (mit deutlich höheren Kosten als ein Nahwärmeanschluss) einsparen könnten.

  5. Die Preise für zertifizierte Biogaslösungen am Markt sind wesentlich teurer (e-Control: +65% bis +139% Mehrkosten) und belasten die Gemeinde und die Vereine über Jahrzehnte finanziell.

  6. Ein Rückschritt auf einen fossilen Gastarif ist mit einer einzigen Unterschrift möglich. Hier kann eine „trojanische Gasheizung“ entstehen.

  7. Die für die Vereine wichtige Eigenleistung wäre bei einem Nahwärmeanschluss leicht, bei einer Gasheizung jedoch nicht möglich.

  8. Die getroffene Lösung steht nur durch eine Fehlinterpretation im Einklang mit dem e5-Energiekonzept (siehe Infoartikel Biogas).

  9. Die Energiegruppe nimmt zur Kenntnis, dass eine Entscheidung im Gemeinderat getroffen wurde. Es ist und bleibt allerdings die Pflicht engagierter BürgerInnen, ihre Vertretung aufmerksam zu machen, wenn sie die Basis für getroffene Entscheidung für inkorrekt und die Entscheidung für falsch halten.

  10. Die Energiegruppe hat sich ab Bekanntwerden der Umplanung intensiv bemüht, Informationen zu erlangen, Gespräche zu führen und sich zum Wohle der Gemeinde einzubringen. Leider werden seit dem Gespräch weitere Informationen seitens des Bürgermeisters verweigert und ein Beitrag der Energiegruppe abgeblockt.

Die Hand der Energiegruppe bleibt ausgestreckt, es geht hier nicht um Sieg oder Niederlage, sondern um einen Beitrag zu einer besseren Lösung.

 

* Laut Erhebung der Energiegruppe: KPC Förderung 35% für neuen Biomassekessel max. € 7.000.-, KPC Förderung 35% für Fernwärmeleitung max. €4.000.-, zusätzlich Landesförderung NÖ für biogenes Heizsystem, zusätzlich COVID-bedingter Investitionskostenzuschuss.

Raus aus dem Öl!

Bei Heizenergie können fossile Brennstoffe viel leichter ersetzt werden als etwa in der Mobilität. Heißt nicht, dass man nur hier anpacken muss. Heißt aber, dass man hier besonders schnell anpacken kann.

Darum hat jetzt auch die Politik den Ball aufgenommen: Beim Energie- und Umweltgemeindetag wurden 153 Gemeinden in Niederösterreich ausgezeichnet, die bereits mit den Gemeindegebäuden „raus aus dem Öl“ sind.

Als eine von 153 Gemeinden in Niederösterreich beheizt Hafnerbach sämtliche Gemeindegebäude ohne Öl und wurde dafür von LH-Stellvertreter Dr. Stephan Pernkopf als Klimaschutzvorreiter ausgezeichnet. Auf diese Auszeichnung sind wir besonders stolz, zeigt sie doch die Vorreiterrolle unserer Gemeinde in Sachen Klimaschutz!Wir hoffen als gutes Beispiel für unsere Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürgervoran zu gehen, sodass auch das gesamte Gemeindegebiet ölfrei wird!Ich lade Sie ein, greifen Sie auf die Vor-Ort Beratung der Energieberatung NÖ zurück und nutzen Sie die attraktiven Förderungen von Bund und Land beim Umstieg von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien.

Mit besten Grüßen, IhrBgm. Stefan Gratzl

 

Einladung zum Ausflug nach Großschönau

Wir laden euch herzlich zum gemeinsamen Ausflug nach Großschönau in die Sonnenwelt ein.

Großschönau im Waldviertel ist wie Hafnerbach ebenfalls E5-Gemeinde und hat mit dieser Ausstellung viel zu bieten. Als Besucher kann man sich spielerisch auf die Spur der Menschheitsgeschichte machen, mit eigener Körperkraft Energie erzeugen und Wissen von Jahrtausenden entdecken und begreifen. Eine Vielfalt an spannend aufbereiteten Themen und kniffligen Spielen, die Kinder und Erwachsene fesseln!

Martin Bruckner, Bürgermeister von Großschönau, wird uns durch die Sonnenwelt führen und auch Fragen zur Gemeinde beantworten.

8:00 Abfahrt vom Kirchenplatz Hafnerbach (Privatautos – Fahrgemeinschaften)

10:00 SONNENWELT (Führung) www.sonnenwelt.at

13:00 Essen im Biogasthaus Leibspeis´ in Sprögnitz (Sonnentor)
www.sonnentor.com/de-at/besuchen/essen-trinken/bio-gasthaus-leibspeis

Anschließend bietet es sich für Interessierte noch an, einen Blick in die Kräuterhallen der Fa. Sonnentor zu machen. Die Führung beginnt um 14:30. 
www.sonnentor.com/de-at/besuchen/angebote/fuehrungen

Der Eintritt in die Sonnenwelt und das Mittagessen für die Fahrer wird von der Energiegruppe übernommen.

Anmeldung bitte bis 8. Oktober unter info@energiegruppe-hafnerbach.at oder unter 0650 786 8481 (bei Julia Unterhuber)

Für Fahrgemeinschaften bitte bekannt geben, ob Bedarf an einer Mitfahrgelegenheit besteht oder ob ihr selbst noch Plätze im Auto anbieten könnt. Und bitte auch angeben, ob ihr anschließend noch die Fa. Sonnentor besichtigen wollt.

Wir werden rechtzeitig zum Benefizkonzert von Stefan Greimel um 19:30 wieder in Hafnerbach sein.

Energie aus Hafnerbach – (k)eine Vision?

Am 18. November 2010 wird es spannend in Hafnerbach.

Letztes Jahr wurde von zahlreichen Hafnerbacherinnen und Hafnerbachern ein Fragebogen zum derzeitigen Energiebedarf ausgefüllt.

Nun wurde erhoben, ob sich Hafnerbach selbst mit erneuerbarer Energie versorgen kann.

Neueste Trends in der technischen Entwicklung und im Verbraucherverhalten wurden berücksichtigt, um den Bedarf bis zum Jahr 2030 abzuschätzen. Gleichzeitig haben die Mitglieder der Energiegruppe erforscht, welche Möglichkeiten zur Energieerzeugung in Hafnerbach schlummern. Dazu wurden die erneuerbaren Quellen Sonne, Wasser, Wind oder auch andere Technologien untersucht, die in der Gemeinde zum Einsatz kommen können.

Die Ergebnisse, die zeigen ob somit der Hafnerbacher Energieverbrauch abgedeckt werden kann, werden am 18. November präsentiert. Gemeinsam mit allen Anwesenden wird diskutiert, welche Strategie in der Gemeinde verfolgt werden kann. Am Ende des Abends wird wohl deutlicher sein, wie realistisch das Ziel des „Energieautarken Hafnerbachs bis 2030“ ist.